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Interview mit Gertraud Vogler

Bühnenbildnerin bei der Augsburger Puppenkiste

Frau Vogler, seit wann sind Sie bei der Augsburger Puppenkiste?

Seit 1958, heuer sind es 50 Jahr! Mit Unterbrechungen, ich war zwischenzeitig auch Dozentin an der Fachakademie für Sozialpädagogik in Augsburg und Krumbach.

Wie wird man Bühnenbildnerin?

„Learning by doing“, ich bin eigentlich keine ausgebildete Bühnenbildnerin. Ich habe zunächst als Puppenspielerin angefangen. Bühnenbildnerei kann man richtig studieren, ich bin aber durchs Spielen dazu gekommen. Ich habe anfangs viel gespielt, mich aber schon immer für das Malen interessiert und sogar mal sechs Semester Malerei und Grafik an der Akademie für bildende Kunst studiert. Allerdings habe ich mir nie zugetraut, für große Häuser zu arbeiten. Mein Traum war immer, Illustrationen für Kinderbücher zu machen.

Wie sind Sie zur Bühnenbildnerei für die Augsburger Puppenkiste gekommen?

Das war der Chef und zwar hat er zu mir gesagt: „Komm, das machen wir miteinander“. Ich habe damals viel mitgespielt und hatte immer wahnsinnige Angst vor den Premieren, aber wenn der Vorhang aufging und ich die Kinder „Ohhhhh...“ sagen hörte, dann war’s gut.

Was war Ihr erstes Stück?

Das war Jim Knopf und zwar der erste Film.

Ich stelle mir die Umsetzung von einer großen Bühne zu einem Puppentheater recht schwierig vor?

Ja, die Puppenkiste ist speziell, hier herrschen andere Gesetze, andere Proportionen, alles ist irgendwie irreal. Ich will es mal vorsichtig als eine gewisse Naivität bezeichnen, gepaart mit Professionalität, wenn Sie verstehen, was ich meine? Bei Handpuppen sind Spieler und Bewegung eins, bei Marionetten ist das anders, man hat mehr Distanz. Aber ich hab das immer mit Herz gemacht. Toll fand ich beim Spielen immer die Nähe zum Bühnenbild: „Du hast das Publikum atmen gehört“.

Was war Ihr erstes Bühnebild?

Das war für das Stück „So Hi und das weiße Pferd“, ein wunderschönes Stück.

Wo nehmen Sie die ganzen Ideen her?

Die Ideen entstehen meist in Teamarbeit, hauptsächlich mit dem Regisseur. Wichtig ist, die Stimmung rüber zu bekommen. Man selbst ist ja nur der Hintergrund. Vorraussetzung ist, dass man das Bühnenbild schnell umbauen kann, dass es handlich ist und lange hält. Das vom Räuber Hotzenplotz ist schon 40 Jahre alt. Beim Bühnenbild müssen viele Dinge beachtet werden, auch die Gassen für die Fäden.

Was ist Ihr Lieblingsstück, Ihr liebstes Szenenbild?

Lord Schmetterhemd, das letzte Stück von Manfred Jenning, eine Verballhornung von Karl May. Zu den schönsten Filmen gehören für mich „Schlechte Zeiten für Gespenster“ und „Dschungeldetektive“.

Wie lange braucht man für die Fertigstellung eines Bühnenbildes?

Wenn im November die Vorstellung ist, muss der Entwurf im Februar oder März fertig sein. Das gesamte Bühnenbild im Juli oder August, denn im September ist dann die Probe. Seit Februar bin ich hier im Museum und mittlerweile bauen wir die Ausstellung in 1 ½ Tagen auf, das ist schon enorm.

Haben Sie eine Lieblingspuppe? Man identifiziert sich doch sicher sehr mit einer Puppe, die man spielt?

Nein, eine Lieblingspuppe habe ich nicht, ich habe alle Puppen immer gerne gespielt.
 
 Gertraud Vogler, genannt Traudl, wurde am 21. September 1941 geboren und lebt allein mit ihrer Katze in einem kleinen Haus am Waldrand.
 
 
 Interview: Kaja Drenhaus