Fluchtwege

Weltstadt mit 1001 Duft

Das Münchner Luxuskaufhaus Oberpollinger ist ein Besuchermagnet für Araber

Eine Reportage von Thomas Porzner

Auf der Flucht vor der großen Hitze in ihrer Heimat, strömen die Bewohner der arabischen Wüstenstaaten ins kühlere München. Während der Einzelhandel sich gezielt auf das betuchte Klientel einstellt, gibt es auch kritische Stimmen.


München, kurz vor 10 Uhr, im August 2014. Die Neuhauser Straße erwacht allmählich aus ihrem Schlaf. Blauer Himmel schimmert zwischen trüben Wolken. Erste Passanten bummeln bei angenehmen 20 Grad Celsius vor den Schaufenstern und warten geduldig, dass die Türen der Kaufhäuser und Geschäfte öffnen. Gleich hinter dem Karlstor prangt mit Geranien geschmückt das Traditionskaufhaus Oberpollinger. Edelmarken, wie Prada, Gucci und Luis Vuitton füllen die Schaufenster und versprechen Luxus und Reichtum. Aus diesem Grund ist das Premium-Kaufhaus zur Sommerzeit ein Besuchermagnet für die Touristen vom Persischen Golf.

München – Zufluchtsort für hitzegeplagte und luxusverwöhnte Araber


Araber in Burkas in der Münchner Fußgängerzone

Araber in Burkas in der
 Münchner Fußgängerzone
 

Das Kaufhaus Oberpollinger  lockt mit Luxusmarken

Das Kaufhaus Oberpollinger
 lockt mit Luxusmarken
 

Passanten warten auf die Ladenöffnung

Passanten warten auf
 die Ladenöffnung
 


Punkt zehn Uhr öffnen sich die Pforten. Gleich am Eingang bietet der Concierge-Service seine Hilfe an. Die dunkelhaarige Dame am Infoschalter lächelt souverän. Sie komplettiert das mit einem Hinweisschild in arabischer Schrift untermalte Bild. „Der Großteil unseres Verkaufspersonals spricht Englisch, um dem internationalen Anspruch gerecht zu werden“, erklärt Nele Göritz, Mitarbeiterin bei Oberpollinger. „In der Hochphase setzen wir zusätzlich arabisch sprechende Kollegen ein.“ So sei auch in der Beauty-Abteilung und im Gastrobereich immer jemand anwesend, um auf Arabisch weiterzuhelfen.
 
 Hochphase, das ist die Zeit nach dem Ramadan, wenn auf der arabischen Halbinsel Sommerferien sind und die Temperaturen weit über 40 Grad steigen. Dann fliehen die Ölscheichs mit ihren Familien gern vor der Hitze ins klimatisch angenehmere München.
 

Umsatzplus durch Luxusartikel und Duftbar

Düfte wie aus 1001 Nacht: beliebt bei Arabern, aber nicht unbedingt bei europäischen Nasen

Düfte wie aus 1001 Nacht: beliebt bei Arabern,
 aber nicht unbedingt bei europäischen Nasen
 

In den Boutiquen des Erdgeschosses wischt eine Verkäuferin im bunten Sommerkleid ein letztes Mal über die Vitrine. Schon steht sie der ersten Burka-Trägerin mit fachlichem Rat zur Seite. Die Verkäuferin erläutert souverän die Vorzüge der feinen Dior-Taschen und nennt Preise im vierstelligen Bereich.
 
 „Bei uns ist der August einer der stärksten Monate. Mehr als 10.000 Kunden aus Katar, Kuweit oder den Vereinigten Arabischen Emiraten tätigen dann ihre Einkäufe bei uns“, so Göritz. In der Kosmetikabteilung wurde extra eine Duftbar etabliert. Schwere Düfte hängen in der Luft. Bunte Flacons und glitzernde Döschen erinnern an einen orientalischen Basar. Die zentral gelegene Duftbar ist in ein dezenteres Licht getaucht als die gesamte sehr hell erleuchtet Parfümerieabteilung. Dadurch wirkt die prunkvolle Auslage der exklusiven Düfte und limited Editions noch geheimnisvoller. „Die Parfüms riechen immer etwas intensiver als wir das hier kennen', bemerkt die blonde, langhaarige Verkäuferin mit den aufgefächerten Duftstreifen in der Hand.
 

Schönheitsbehandlung aus Protest

Im Umgang mit den arabischen Kundinnen hat Markus Bauer keine Probleme. Meist sprächen ihn die Frauen direkt an, erzählt der einzige Verkäufer der Kosmetikabteilung. Dass verschleierte Frauen sich nicht von einem männlichen Kosmetikberater schminken lassen wollen, kann der junge Mann nicht behaupten. „Wir haben hier Kabinen, wo die Kundinnen ihren Schleier lüpfen und sich ungestört behandeln lassen“, fügt er freudig hinzu. Bauer, in einen schwarzen Anzug gekleidet, kennt die hohen Ansprüche seiner Kundinnen. Nicht ohne Hintergedanken, wie er mittlerweile weiß. „Eine Araberin ließ sich einst aus Protest von mir schminken, weil ich ein Mann bin. Als ich sie fragte, warum, meinte sie, dass ihr Mann ihr nicht mehr so viel gebe. Letztes Jahr habe er ihr noch ein Auto geschenkt, dieses Jahr aber nur noch eine Rolex-Uhr.“

Gebetsraum und Halal-Gerichte finden großen Zuspruch

Der Gebetsraum: etwas Besonderes  für islamische Kaufhauskunden

Der Gebetsraum: etwas Besonderes
 für islamische Kaufhauskunden
 

Nach dem Shoppingmarathon lädt in der 5. Etage das Restaurant zu einer Verschnaufpause ein. Zahlreiche Gerichte entsprechen der Halal-Definition. Das bedeutet, dass die Speisen in der islamischen Religion und nach islamischem Recht erlaubt und zulässig zubereitet sind. „Ein besonderer Verkaufsschlager ist außerdem der erste alkoholfreie Champagner nach Halal“, führt Göritz aus.
 
 Inzwischen ist es 13.15 Uhr – noch drei Minuten bis zum Nachmittagsgebet. Eine verschleierte Frau verschwindet eilig mit ihren Kindern im orientalisch eingerichteten Gebetsraum.
 „Die islamische Kundschaft muss beten. Deshalb bieten wir ihnen bei uns die Fläche, damit sie ihren Einkauf nicht unterbrechen müssen“, führt Göritz die Unternehmensstrategie aus. „Der Gebetsraum wird sehr positiv angenommen und ist gut belegt. In der Hochphase nutzen wir sogar separate Räume für Männer und Frauen.“
 

Es ist nicht alles Gold was glänzt

Doch nicht jedem sind die Besucher vom Golf so vertraut wie den Oberpollinger Mitarbeitern. Manche meiden sogar die Sommermonate, um die Innenstadt aufzusuchen. „Man fühlt sich ja fast fremd in der eigenen Stadt“, so Elfriede D., eine Passantin in der Fußgängerzone. Annette W., regelmäßige Besucherin des Restaurants, isst derzeit zu Hause, weil es ihr zu voll ist. „Das ist halt so, wenn viele Touristen da sind. Was mich aber wirklich stört, ist der Müll, den viele Araber hier hinterlassen. Da sieht´s oft aus. Da werden Berge von Essen aufgeladen, nur ein kleiner Teil gegessen und der Rest auf den Tischen liegen gelassen.“
 
 Ab Mitte September sind die Sommerferien dann vorbei und die Burkas werden den Dirndln und Lederhosen weichen.
 

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