Fluchtwege

Nouvelle Cuisine und indisches Curry

„Madame Mallory und der Duft von Curry“

Eine Filmkritik von Thomas Porzner

Nouvelle Cuisine? Was hat die französische Gourmetküche mit der vermeintlich eintönigen Curryküche Indiens zu tun oder gar gemeinsam? Genau das ist auch die zentrale Ausgangsfrage der titelgebenden Madame Mallory in der neuen Romanverfilmung „Madame Mallory und der Duft von Curry“ von Lasse Hallström.


Filmplakat:  „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Filmplakat:
 „Madame Mallory und der Duft von Curry“
 

Nach seinem Filmhit „Chocolat“ aus dem Jahr 2000, erzählt der schwedische Filmemacher erneut eine Wohlfühlgeschichte in einem kulinarischen Rahmen. Nun bietet er indischen Currygerichten eine Bühne und erzählt, wie sie sich gegenüber der feinen Edelküche in einer südfranzösischen Idylle behaupten.
 
 Was sind dieses Mal seine Zutaten? Sehr zum Ärger der hochmotivierten Restaurantleiterin, gespielt von der mimikstarken Oscar-Preisträgerin Helen Mirren, zieht ausgerechnet gegenüber ihrem Michelin-Stern gekrönten Gourmettempel eine verarmte indische Familie ein. Sie sind geflüchtet aus der alten Heimat, weil dort ihr Restaurant abgebrannt war. Auf der Suche nach Lebensmitteln „mit Seele“, versuchen sie aus dem alten Gemäuer ein kulinarisches Taj Mahal zu erschaffen. Während Madame Mallory ihre Bestrebungen nach dem zweiten Stern nicht außer Acht lässt, versucht die indische Familie ihr die verwöhnten Feinschmecker abspenstig zu machen. Damit ist der Kampf der Kulturen und der Kochlöffel eröffnet.
 
 Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf und keiner bleibt davon unversehrt. Sämtliche Protagonisten, sei es die sechsköpfige Großfamilie Kadam mit ihrem patriarchischen Familienoberhaupt oder die gekränkte Belegschaft der autoritären Küchenchefin Mallory. Sogar unbeteiligte Dorfbewohner und der gefräßige Bürgermeister werden für den Kleinkrieg der Intriganten eingespannt.
 Das Ende der Küchenschlacht und die zwischenmenschlichen Annäherungen sind durchaus vorhersehbar, aber das ist vergleichbar mit der Bestellung eines 5-Gänge-Menüs im Stammlokal. Man weiß genau, was man in den nächsten zwei Stunden erwarten kann. Das Besondere daran sind und bleiben aber die Zutaten und deren harmonische Zusammensetzung. Genau damit schafft es Hallström wieder die Erwartungen an einen Feel-Good-Movie „par excellence“ zu erfüllen und die Geschmacksnerven des Publikums zu treffen.
 

Pointenreiche Dialoge altbekannter Meister (Mirren) treffen auf neue schauspielerische Talente, wie Manish Dayal (Jungkoch Hassan) oder die bezaubernde Charlotte Le Bon (Sous-Chefin Marguerite). Einstellungen malerischer Landschaften wechseln mit kreativ angerichteten Tellerkunstwerken. Rundum, „Wohlfühlkino“ für Augen, Ohren und Herz. Daher würde es nicht überraschen, wenn das Kinopublikum hungrig - aber glücklich - aus dem Kino kommt und aufs gerade Wohl das nächste indische oder französische Restaurant ansteuert. Denn bei genauerer Betrachtung sind die Detailverliebtheit und die Feinheiten der Gewürze das Entscheidende in beiden Küchen und lassen sich sehr wohl und geschmackvoll miteinander vereinbaren.

Madame Mallory führt ihr strenges Küchenregiment

Madame Mallory führt ihr strenges Küchenregiment

In der Küche kommen sich der indische Koch Hassan und die französische Sous-Chefin Marguerite näher

In der Küche kommen sich der indische Koch Hassan und die
 französische Sous-Chefin Marguerite näher
 

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