Kurze Bildbeschreibung
Stadtjäger Wolfgang Schreyer mit Falknerin Sandra Schreyer, seiner Tochter.
Foto: Florian Simeth

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Erspäht jede Beute, der Sakerfalke.
Foto: Florian Simeth

Waidmannsheil in München

Auf der Pirsch durch Münchens Innenstadt tarnt sich Stadtjäger Wolfgang Schreyer (56) weder mit Filzhütchen noch mit Nadelstreifenanzug. Der selbständige Falkner bewohnt auch kein Forsthaus, aber immerhin passt die Fassadenfarbe seines Wohnhauses – es ist grasgrün. Hier in Unterschleißheim lebt er zusammen mit vierzehn Greifvögeln: Adlern, Falken, Habichten, Wüstenbussarden und Buntfalken. Seit rund 30 Jahren ist Wolfgang Schreyer als Jäger immer dann zur Stelle, wenn es in München Probleme mit Wildtieren gibt. Sein Revier ist der Norden der bayrischen Landshauptstadt, die Stadtteile Schwabing, Hasenbergl und Am Hart. Julia Wieland sprach mit Wolfgang Schreyer über vierbeinige Plagen und tierische Diebe mitten in München.
 
 
 Herr Schreyer, wenn jemand München auf den Kopf stellen könnte, welche Tiere würden herausfallen?
 
 Vor allem Kaninchen! Ratten, Mäuse, Füchse, Marder, auch Enten und Gänse, Schwäne zuhauf, Möwen, ein paar wenige Waschbären und natürlich der Biber, der in der Nähe des Deutschen Museums an der Isar zuhause ist.
 
 Keine exotischen Tiere?
 
 Nein, für die wäre ich aber auch nicht zuständig. Dafür gibt es die Tierrettung München und natürlich Spezialisten wie den ehemaligen Direktor vom Tierpark Hellabrunn, den Henning Wiesner. Gigantisch, wie der Mann mit dem Blasrohr umgehen kann.
 
 Mit welchen Waffen geht ein Stadtjäger dann auf Jagd?
 
 Keiner wird es erleben, dass ich mit dem Gewehr durch die Stadt laufe – zumindest nicht tagsüber. Wenn ich zum Beispiel gerufen werde, um nachts ein Firmengelände von einer kranken Kaninchenpopulation zu befreien, dann werden auch mal Schusswaffen eingesetzt. Natürlich in Absprache mit der Polizei und mit Schalldämpfer – alles andere wäre Ruhestörung. Außerdem würden alle Kaninchen abhauen, wenn ich mit dem Gewehr rumballere.
 
 Und was machen Sie am Tag, so ganz ohne Gewehr?
 
 In der Stadt jage ich hauptsächlich mit einem Wüstenbussard. Um größere Grundstücke beispielsweise von Kaninchen zu befreien, können auch Jagdhunde, und als Treiber Frettchen, eingesetzt werden.
 
 Sind Kaninchen so verbreitet in ihrem Revier, zum Beispiel im Hasenbergl?
 
 Ja. Doch weil die inzwischen gelernt haben, dass sie tagsüber von Hunden und Katzen gejagt werden, hoppeln sie eher nachts. Deswegen auch oft die Frage: Wozu Kaninchenjagd, wozu Stadtjäger? Aber wer im Frühling mit offenen Augen durch München läuft, wird schon am helllichten Tag jede Menge Kaninchen auf Partnersuche beobachten können.
 
 Wie reagieren die Münchner Stadtmenschen, wenn Sie als Stadtjäger in Aktion treten?
 
 Von hundert Leuten kommt vielleicht einer, der sagt, Tiere töten ist Blödsinn, das darf man nicht. Meist hat der eine dann selbst einen Fleischfresser an der Leine. Da versuche ich mit vernünftigen Argumenten ins Gespräch zu kommen. Für die meisten ist jedoch der Anblick eines jagenden Greifvogels faszinierend. Davon abgesehen: Menschen, die durch Wildtiere geschädigt werden, empfangen mich mit offenen Armen.
 
 Wer ist das zum Beispiel?
 
 Da war der Wirt eines Biergartens, der um Hilfe gerufen hat, weil in seinem Biergarten 40 Rabenkrähen ihr Unwesen getrieben haben: Ein Gast beispielsweise, der den Senf vergessen hatte, sah bei der Rückkehr zum Tisch gerade noch, wie ihm zwei Krähen seine Weißwürste samt der Brez`n vom Teller klauten.
 
 Was passiert, wenn Stadtkinder auf 'echte' Natur treffen? Wolfgang Schreyer verrät es hier im Podcast.
 
 Weitere Informationen zum Stadtjäger finden Sie auf seiner Website.
 

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